(How To) Make reading great again

29 Mai, 2021 | Artikel, Psychologie

Oder auch: „Warum du bildungsfremder Kulturbanause nicht lesen willst!“.

Bevor ich mich hier jedoch als Autor besser darstelle, als ich wäre, lass mich dir versichern, dass ich es nicht bin. Denn auch ich lese nicht so viel, wie man eventuell erwarten würde. Und das, obwohl Lesen eigentlich sehr unterhaltsam und reizvoll ist – wenn der Text gut ist.

Lesen ist inhärent eine sinnlich weniger stimulierende Aktivität, ungleich zu Audio- oder Video-Medien. Und aufgrund unserer kontemporären Medien-Diät, hauptsächlich bestehend aus eben solchen Video- und Audiobeiträgen diverser Art, sind wir an eine verhältnismäßig hohe Stimulationsdichte gewöhnt, gar verfressen könnte man meinen.

Wir haben eine gewisse (unterbewusste) Erwartungshaltung eingenommen, durch die wir bestimmte Anforderungen an alles haben, das wir (medial) konsumieren. Wird diese Erwartung bzw. Dichte nicht erreicht, fällt es uns schwer, das was wir medial erfahren, noch als interessant zu betrachten und kontinuierlich zu konsumieren.

Sicherlich auch ein Grund dafür, dass wir uns eher hingezogen fühlen zu medialen Inhalten und auch allem anderen, das von attraktiven und begehrenswerten Personen präsentiert wird. Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte…

Was Sex und Lesen verbindet

Ein weiterer, sehr entscheidender Grund ist mit Sicherheit auch der, was für eine grundlegende Assoziation wir zum Lesen gebildet haben. Dass man in dem Zusammenhang insbesondere in der Schule schon von früh an oft zum Lesen von etwas gedrängt, wenn nicht sogar gezwungen wurde, trägt auf jeden Fall ebenfalls nicht positiv dazu bei.

Wie bei so vielem wurde uns in dem Zusammenhang die persönliche Neugier genommen; der Drang zum Entdecken und Erforschen auf eigene ‚Faust‚. Ein essenzieller Bestandteil der allgemeinen Beziehung zum Medium Text und der Aktivität des Lesens.

Oftmals kann es so auch passieren, dass wir einfach kein großes Bedürfnis in uns haben, etwas zu lesen und/oder textbasierte Medien zu erforschen, da wir gar nicht genau wissen, was wir mögen und wonach wir forschen und suchen können, und was das Gefundene uns dann letztendlich bieten und offenbaren kann. Erstaunliche Parallelen können hier für viele Menschen auch erstellt werden, wenn es um Pornografie oder Sex geht. Trifft aber natürlich nicht auf dich zu, oder..?

Die Lösung.. ?

Wie lässt sich Lesen jetzt also wieder für alle attraktiver machen, für die es es noch nicht ist oder noch nie war? Nur sehr schwer.

Wer nicht ohnehin schon von sich aus lesebegeistert ist und Spaß daran finden konnte und nach wie vor findet, neue Werke neuer Autoren kennen- und lieben zu lernen, da sie ihnen als Lesern neue Welten offenbaren, die sie bis dahin nie als möglich oder erdenkbar hielten, muss schon mit sehr viel Glück fast durch Zufall mit etwas konfrontiert werden, das dieses Interesse und diese Art der inneren Begeisterung entfachen kann.

Und in den allermeisten Fällen muss der Zufall da schon sehr groß sein, denn – sind wir wieder einmal ehrlich – ein Großteil aller Texte, Dokumente, Artikel oder Bücher sind einfach scheiße geschrieben.

Nichts lässt einen Leser so schnell desinteressiert und gelangweilt werden, wie das Werk eines Autors, der sich mehr damit befasst, ein bestimmtes Ideal zu verwirklichen, als dass er dem Leser auf kurzgefasste, kompetente und unverschönte Weise das Kernmaterial präsentiert, nachdem ein Leser auch sucht; genau eben das, was das Lesen an sich so interessant machen kann.

Vieles ist schlichtweg einfach zu unschuldig verfasst. Der Vorteil des reinen geschriebenen Wortes, sich das erlauben und zu Nutze machen zu können, was das (Bewegt)Bild nicht kann, wird oftmals einfach nicht verwendet, wodurch es dann zu einem ernüchterndem, trägen und zähen Leseerlebnis kommt.

Dies führt wiederrum dazu, dass man bereits von vornherein mit einer Einstellung an jegliche weiteren, zukünftigen textuellen Werke herangeht, die auf dem fundamentalen Gefühlserlebnis der letzten vorangegangenen Leseerfahrung basiert. Anders formuliert: Waren die letzten Werke schlecht und langweilig, die wir gelesen haben, gehen wir vom gleichen für alle weiteren aus, die danach kommen (könnten). Ein eingefahrener Vorurteils-Effekt also.

Schlussendlich lässt sich also sagen, dass wir nur wieder dann begeistert am Lesen werden können, wenn wir genug gute und positiv überraschende Werke lesen; wenn sich unser persönliches Vorurteilspendel wieder aus den Ranken und Ästen lösen kann, die es auf der anderen Seite der Skala fixiert halten und so wieder Schwung und Lebendigkeit in unsere Lesebegeisterung kommt.

Also: Weißt du schon, was dein nächstes Buch sein wird?

Das könnte dir ebenfalls gefallen

Was Parfums und Bücher gemeinsam haben

Was Parfums und Bücher gemeinsam haben

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich damit angefangen, mich stärker für Parfum zu interessieren. Und mit den vergehenden Wochen und zahlreichen Tests sind mir nach und nach verblüffenderweise eine...

Warum du dumm bleiben willst – Teil 2

Warum du dumm bleiben willst – Teil 2

Oder auch: "Warum du nur verstehst, was du willst". Wie wir es im ersten Teil von "Warum du dumm bleiben willst" besprochen haben, ist der Hauptgrund dafür, dass du aktiv dumm bleiben willst, der,...

Warum du dumm bleiben willst

Warum du dumm bleiben willst

Ganz richtig! Du bist dumm, bist gut darin dumm zu sein, und hast eine Menge guter Gründe, warum du weiterhin dumm bleiben willst. Nichtsdestotrotz bist du nicht ganz so dumm wie derjenige, der...

Entedecke mehr