Shoot In The Foot | Jack R. Hayes

Warum du dumm bleiben willst

13 Jun, 2021 | Artikel, Psychologie

Ganz richtig! Du bist dumm, bist gut darin dumm zu sein, und hast eine Menge guter Gründe, warum du weiterhin dumm bleiben willst.

Nichtsdestotrotz bist du nicht ganz so dumm wie derjenige, der hiervon direkt getriggert wurde. Und du bist noch weniger dumm als der, der gar nicht erst auf diesen Artikel geklickt hat und ihn jetzt auch nicht liest.

Denn um dich evtl. ein wenig beruhigen zu können, so bist zu zwar immer noch dumm, aber jeder andere ist es auch. Zwar zu verschiedenen relativen Graden – aber immerhin.

Warum nur..?

Aber wie kommt es dazu, dass du so dumm bist, wie du es bist?

Nun, schlau sein und schlauer zu werden ist anstrengend. Es ist unkomfortabel und es erfordert ein gewisses und großes Opfer. Deine Identität.

Insofern wir bereits die Schule verlassen- und alles gelernt haben, was wir für unseren Job und somit für unser grundlegendes Überleben zu wissen brauchen, vermeiden wir es für gewöhnlich, uns auf diverse Weisen weiterzubilden, unseren Horizont ernsthaft zu erweitern und unsere Welt existenziell zu hinterfragen.

Das Leben läuft einfach, wie es läuft, und langsam aber sicher setzt für uns eine gewisse Stagnation und semi-gewillte Gleichgültigkeitszufriedenheit ein. Wir reden uns selbst ein, nie Teil der breiten Masse des Mittelmaß zu sein, da es schließlich immer Leute gibt, die wir mithilfe mentaler Vergleiche und Kontraste werttechnisch unter uns stellen können, was uns sicher und besser über uns fühlen lässt.

Und da wir stets nie wissen, was wir nicht wissen, schleicht sich mehr und mehr die Überzeugung ein, dass wir mit unserer Weltwahrnehmung bereits alles primär Relevante wissen, was es zu wissen gibt.

Denn da es für uns keinen unmittelbar starken Drang mehr gibt, Dinge Wissen zu müssen, von denen wir noch nicht wissen, überzeugen wir uns allmählich, dass genau all das, was wir nicht wissen, nicht sonderlich wissenswert und fast schon überflüssig ist.

Es scheint uns ja eh nicht auf merklich, praktische Weise zu helfen, unser Leben noch komfortabler und „einfacher“ zu machen, als es ohnehin bereits ist – richtig?

„Gibt es mir auf direkte Weise mehr Sex?“ Nein. „Gibt es mir auf direkte Weise mehr Geld?“. Nein. „Gibt es mir auf direkte Weise mehr Komfort?“ Nein. „Gibt es mir simple Unterhaltung?“ Auch nicht. „Also was zur Hölle soll ich dann damit..?! Ich hab wichtigeres zu tun, als mich mit belanglosem Kram zu beschäftigen, der nicht sofort und im Handumdrehen meinem Überleben positiv beisteuert…“.

Willst du wirklich schlau sein?

Sicherlich hast du auch hin und wieder mal so gedacht oder denkst immer noch so. Kein großes Ding. Sobald es dann aber wirklich an deine bestehende Identität geht, wird es äußerst brenzlich.

Warum? Nun, es ist so. Um wirklich etwas zu lernen und seinen Horizont erweitern zu können, ist es erforderlich, dass sich dein Verhalten ändert, dein Wesen ändert, deine wortwörtliche Erlebung der Welt. Es reicht nicht aus, nur hier und da wahllos zufällige Informationen aufzunehmen, die dann nie lebensechte Früchte tragen. Und ein Obstsalat besteht letzten Endes auch aus mehr als nur Erdbeeren.

Das UMHB beschreibt sehr ausführlich, wie unsere individuelle Identitätsstruktur aufgebaut ist und warum wir solch Probleme mit Identitätswandeln haben und oft davon fernbleiben wollen.

Grob gefasst jedoch läuft es darauf hinaus, dass wir uns mehr oder weniger willentlich den Boden unter den Füßen unserer Identitätssäulen wegnehmen und uns auf kurze oder lange Zeit in einen freien Fall bewegen.

Paradoxerweise ist das Ziel eines solchen Falls jedoch immer ein höherer Standpunkt als zuvor. Leute mit einem offenen Horizont und einer von Grund auf entdeckerischen Lebenshaltung werden dieses Phänomen schon häufiger bemerkt haben sind mit ihm sehr vertraut.

Nur die, die sich dauernd an ihren Säulen festklammern und nichts neues wagen oder zulassen wollen, sind die, die immer am Boden bleiben werden und sich dann wundern, warum ihr Ausblick so langweilig und limitiert ist, warum sie so viele Probleme im Leben haben, und warum der Weg aus ihrer Dummheit (die sie nicht als solche erkennen) so anstrengend und weit erscheint.

Sie sind es, die wahrlich dumm sind – und bleiben. Sie sind die, die den bildlich durchschossenen Fuß, der sie auf ewig an derselben Stelle in ihrem eigenen getrockneten Blut festhält dem ab und an mal verstauchten Knöchel einer unsanften Landung nach einem Fall liebend gern vorziehen.

Was darf’s für dich sein?

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